Dass Hegel die zeitgenössischen Debatten der Wissenschaften kannte, ist in der Hegel-Forschung der letzten Jahrzehnte bereits erkannt worden. Von der Phänomenologie bis zu den ausführlichen Zusätzen der Enzyklopädie finden sich zahlreiche und präzise Hinweise auf Themen, Theorien und Entdeckungen der Lebenswissenschaften, die um die Jahrhundertwende besonders lebhaft diskutiert wurden. Nicht nur in dem Teil über die Naturphilosophie, sondern auch in den spekulativeren Passagen bezieht sich Hegel häufig auf Theorien und Studien der Zoologie, Physiologie, Anatomie und Biologie, um den philosophischen Erkenntnisprozess und die Merkmale der Dialektik zu verdeutlichen. Von der Erwähnung der Geburt des Kindes in der Vorrede zur Phänomenologie bis zur Analogie des Staates mit dem Organismus, um nur zwei der bekanntesten Beispiele zu nennen, scheint der Prozess der biologischen Evolution die Art und Weise zu veranschaulichen, in der sich sowohl das Wissen als auch das praktische Leben entwickeln. Und obwohl Hegel den Terminus ›Biologie‹ – der bereits Ende des 18. Jahrhunderts von Treviranus und Lamarck formalisiert worden war – nicht verwendet, zeigen seine Analysen deutlich sowohl sein Interesse an als auch seine Kenntnis dieser neuen Disziplin.

»die Physik muß so der Philosophie in die Hände arbeiten«. Hegel und die Biologie

Achella, S
2025-01-01

Abstract

Dass Hegel die zeitgenössischen Debatten der Wissenschaften kannte, ist in der Hegel-Forschung der letzten Jahrzehnte bereits erkannt worden. Von der Phänomenologie bis zu den ausführlichen Zusätzen der Enzyklopädie finden sich zahlreiche und präzise Hinweise auf Themen, Theorien und Entdeckungen der Lebenswissenschaften, die um die Jahrhundertwende besonders lebhaft diskutiert wurden. Nicht nur in dem Teil über die Naturphilosophie, sondern auch in den spekulativeren Passagen bezieht sich Hegel häufig auf Theorien und Studien der Zoologie, Physiologie, Anatomie und Biologie, um den philosophischen Erkenntnisprozess und die Merkmale der Dialektik zu verdeutlichen. Von der Erwähnung der Geburt des Kindes in der Vorrede zur Phänomenologie bis zur Analogie des Staates mit dem Organismus, um nur zwei der bekanntesten Beispiele zu nennen, scheint der Prozess der biologischen Evolution die Art und Weise zu veranschaulichen, in der sich sowohl das Wissen als auch das praktische Leben entwickeln. Und obwohl Hegel den Terminus ›Biologie‹ – der bereits Ende des 18. Jahrhunderts von Treviranus und Lamarck formalisiert worden war – nicht verwendet, zeigen seine Analysen deutlich sowohl sein Interesse an als auch seine Kenntnis dieser neuen Disziplin.
2025
Das Selbstverständnis der Philosophie und ihre Verhältnis zu den anderen Wissenschaften
D. Emundts, K. Koch und D. Quadflieg
Tedesco
STAMPA
149
166
18
978-3-465-04707-0
Klostermann
Frankfurt a. M.
GERMANIA
Biologie, Hegel, deutsche Idealismus, Cuvier, Bichat
Goal 4: Quality education
no
2 Contributo in Volume::2.1 Contributo in volume (Capitolo o Saggio)
1
268
none
Achella, S
info:eu-repo/semantics/bookPart
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